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Mein erster Geohash

Februar 23, 2012

Ja, richtig gelesen, ist kein Schreibfehler. Geohashing ist wie Geocaching nur ohne Dose. Nein, nicht Munzee. Stell Dir vor, ein Computer errechnet jeden Tag zufällig eine Koordinate und publiziert die dann im Internet. Und die Spieler versuchen nun, diese Koordinate innerhalb dieses Tages zu erreichen. Sind sie vor Ort, dann machen sie ein Foto von sich und der Gegend und können das dann als Fund verbuchen.

Genau das habe ich jetzt mal ausprobiert. Klingt erstmal langweilig. Wie Tradis ohne Dose. Da die Koordinaten allerdings wirklich zufällig verteilt sind, kann man sich relativ gut vorstellen, dass es manchmal ganz schön herausfordernd sein kann, den Hashpoint auch wirklich zu erreichen. Für den Anfang habe ich mal auf einen Hashpoint gewartet, der zum einen bei mir in der Nähe war und zum anderen auch eine lösbare Aufgabe darzustellen schien. Wie läuft das jetzt genau ab?

Geohashing Algorithmus

Geohashing Algorithmus

Beim Geohashing ist die Welt aufgeteilt durch die Längen- und Breitengrade. Die Fläche, die jeweils von zwei Längen- und Breitengraden eingeschlossen wird, nennt man im Geohashing Graticule und eine solche Fläche stellt sozusagen ein 1° x 1° großes Spielfeld dar. Ein Algorithmus verwurstet nun täglich das Datum und den an diesem Tag gültigen Börsenkurs (damit das schön zufällig wird) und errechnet eine Koordinate pro Graticule. Diese Koordinate ist dann für diesen einen Tag der gültige Hashpoint der Graticule.

Also schaue ich morgens nach, wo der Hashpoint denn heute liegt. Dazu kann man die Webseite der eigenen Graticule benutzen ( bei mir ist das die Graticule mit dem klingenden Namen „Würzburg“ ) oder man benutzt entsprechende Apps. Als Android-Benutzer verwende ich Geohash Droid. Gestern nun lag der Hashpoint endlich mal so, dass es aussichtsreich erschien, ihn zu besuchen. Immerhin sind die Graticulen ziemlich groß. In Nord-Süd-Richtung 111km. Die Breite hängt vom Breitengrad ab. Je weiter nördlich desto schmaler. Die App ist auch so schlau, dass sie einem Hashpoints in benachbarten Graticulen vorschlägt, sollten die näher sein.

Wie gesagt, sah das diesmal gut aus und so bin ich an dem Tag nach der Arbeit los. Das Suchen gestaltet sich im Prinzip so wie das Suchen eines Traditionals. Parkplatz in der Nähe finden, auf Wegen bis möglichst nahe hin wandern und dann muss man sich das letzte Stück durch die Pampa schlagen bis einem das GPS sagt, dass man da ist, wo man hin wollte. Statt einer Dose zu suchen macht man dann einfach Fotos.  Bei mir lag der Punkt auf einem Feld mit Kohl (oder ähnlichem Grünzeugs). Meine Schuhe sahen danach erstmal aus wie Sau. Herrlich! Macht erstaunlich viel Spaß.

Feld bei Massenbach

Hashpoint auf einem Feld nahe bei Massenbach

Das Loggen gestaltet sich dann aber deutlich anders als beim Geocaching. Das Log erstellt man dadurch, dass man einen sogenannten „Expeditionsbericht“ für diesen Tag und diese Graticule in Form einer Wikiseite verfasst. Da kommen dann auch die Fotos drauf, die man so gemacht hat, und es gehört offensichtlich zum guten Ton recht ausführlich darüber zu berichten, wie die „Expedition“ gelaufen ist. Hier ist mal mein Expeditionsbericht. Mir fehlt noch ein bisschen die Übungen, denn die Berichte, die ich bisher so gelesen habe, sind zum Teil sehr unterhaltsam. Die App unterstützt einen bei den Grundschritten sehr gut und taggt auch die Fotos beim Hochladen entsprechend. Sonst müsste man ein Foto seines GPS-Screens als Beweis mitliefern.

Ein zusätzliches Spielelement sind sogenannte Achievements. Das sind zumeist besondere Leistungen wie zum Beispiel das Finden eines Hashpoints im Wasser oder das Bauen eines Schneemanns am Hashpoint. Von diesen Achievements gibt es eine ganze Menge,  zum großen Teil sehr lustige, mit denen man sich dann als Geohasher schmücken kann.

Nun noch ein kurzes, sehr subjektives  Pro und Contra von Geohashing im Vergleich zu Geocaching.

Pro Geohashing:

  • Witzige Spielidee, die sicher interessante Erfahrungen in der Natur inklusive der ein oder anderen Überraschung oder Herausforderung ermöglicht.
  • Kein Cacher-Kindergarten-Theater um Besitzdenken, gute Dosen, schlechte Dosen, verbrannte Locations, nette oder nicht so nette Logs, denn der Erzeuger ist ein Computer – dem ist es wurscht, ob es Euch passt oder nicht.
  • Kein Geomüll, keine Wartung.
  • Kreative und entspannte Community.
  • Vermeidung von Brennpunkten. Da die Hashpoints jeden Tag woanders liegen kommt es – wenn überhaupt – nur zu einer sehr kurzen Beeinträchtigung der Umwelt, danach ist wieder Ruhe. Auch Muggels merken wahrscheinlich nichts davon und wenn, dann ist der Spuk auch schon wieder vorbei bevor die in Aktion ausbrechen.
  • Lässt sich prima mit Geocaching verbinden.

Contra Geohashing:

  • Hashpoints können auf Privateigentum oder innerhalb von Naturschutzgebieten liegen. Es gibt dann die Möglichkeit dies zu dokumentieren und einen Ausweichpunkt zu vereinbaren. Denn eine Regel gibt es auch hier: gegen lokale Gesetze sollte nicht verstoßen werden.
  • Nix für Statistiker. Die Hashpoints liegen sehr weit auseinander. Entweder muss man warten bis ein Hashpoint in der Nähe landet oder man muss weite Wege in Kauf nehmen. Einen Hashpoint jeden Tag des Jahres machen zu wollen, kann man voll vergessen. Auch wer mehr als einen am Tag machen will muss weite Wege in Kauf nehmen.
  • Zu 90% liegen die Hashpoints einfach irgendwo in der Pampa. Ganz einfach simple Natur. Man kann oft nicht mal sagen, dass das im Sinne von Geocaching jetzt ein besonders lohnender Ort wäre. Lässt sich auch nicht immer einschätzen, ob die Gegend schön ist oder nicht. Trotzdem kommt man – wie beim Geocaching auch – in Ecken, in die man sonst nie fahren würde. Oft im positiven Sinne, aber sicher auch hin und wieder im negativen Sinne. Hier ist noch mehr als beim Geocaching der Weg das eigentliche Ziel.
  • Beim Geocaching war zumindest mal der Owner vor Ort und kann wohl den ein oder anderen Tipp geben. Ausserdem ist der Cache i.d.R. morgen auch noch da. Die Gefahr, dass man beim Geohashing nicht zu dem Ort vordringen kann oder man nicht ausreichend Ausrüstung dabei hat, ist zumindest ganz klar gegeben. Dann war der Weg umsonst. Denn morgen ist der Hashpoint ja wieder woanders.

Mein persönliches Fazit: Eine erstaunlich unterhaltsame und zugleich entspannte Art eines gps-basierten Spiels. Viel Potenzial um Natur hautnah zu erleben. Wahrscheinlich hin und wieder hautnaher als man das so möchte. Sehr entspannte und kreative Community. Bisher ohne Anzeichen irgendeiner Kommerzialisierung. Ich werde weiterhin ein Auge auf die Hashpoints haben und – wenn die Gelegenheit günstig ist – zuschlagen. Das Cachen werde ich aber vermutlich nicht deswegen aufgeben.

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12 Kommentare leave one →
  1. ravenhawk80 permalink
    Februar 23, 2012 2:39 pm

    Wirklich interessant – kannte ich bisher nicht.

  2. Februar 23, 2012 3:44 pm

    Irgendwie hat das was von Flashmobs für Einzelpersonen!:-) Werde ich mir auf jeden Fall mal näher ansehen.
    So auf den ersten Blück überwiegen für mich die Contra-Argumente. Wobei für mich das einzig tragende Pro das Argument ist das es keinen Cache-Müll gibt. Außerdem lebt so ein Hash meines Erachtens viel zu kurz und ich sehe den Sinn nicht darin, einen Expeditionsbericht darüber für die Ewigkeit ins Netz zu stellen.

    Aber wie so viele Dinge muss man es ausprobiet haben um den Spass daran zu finden.
    Mir fällt es auch immer schwer jemanden Caching zu erklären ohne mich dabei kindisch zu fühlen!:-)

    Übrigens arbeite ich gerade an einem GEO-Spiel bei dem man Aufgaben stellen kann, die nur in größeren Gemeinschaften weltweit zu lösen sind.
    lg Heinz

  3. Februar 23, 2012 4:40 pm

    „Hashpoint auf einem Feld“, das zudem augenscheinlich auch noch aktuell bewirtschaftet wird. Da kann ich nur mit dem Kopf schütteln.

    • lovertux permalink*
      Februar 23, 2012 5:55 pm

      Im Winter bei schockgefrosteten Pflanzen völlig unkritisch. Im Sommer natürlich ein No Go. Aber da liegt der Hashpoint ja dann wieder woanders😉

  4. Frank_Z permalink
    Februar 23, 2012 9:34 pm

    Die Comics kenne ich schon länger.😀
    Das Thema ist seit langem auch eine Cacheidee, nur noch nicht umgesetzt😛

  5. Februar 24, 2012 9:17 am

    Klingt interessant. Ich glaub, dass muss ich mal versuchen. Danke für die Info!

    LG
    meinschatz71

  6. Gunnar permalink
    Februar 24, 2012 1:45 pm

    Das hört sich interessant an. Aber wenn die Koordinaten ständig im Unterholz liegen und auf Privat und Firmengeländen und auf Äckern …. das ist doch weit problematischer als Geocaching ansich.

  7. Thomas permalink
    Oktober 14, 2016 12:28 pm

    Hallo,
    vielen Dank für diesen Artikel.
    Ich habe mal versucht die Rechnung in der Grafik (Geohashing Algorithmus) nachzuvollziehen, leider bin ich einfach zu blond hierfür.

    Was muss ich wie tun um auf die gezeigten Ergebnisse zu kommen?

    Vielen Dank für Eure Unterstützung,
    Thomas

    • lovertux permalink*
      Oktober 14, 2016 12:50 pm

      Der Algorithmus ist hier genauer erklärt: http://wiki.xkcd.com/geohashing/The_Algorithm

      Allerdings muss man informatikaffin sein, um das in einem Rutsch zu verstehen. So sollten einem MD5-Hashfunktionen, Umrechnungen mit Hexadezimalen Zahlen und natürlich Geokoordinaten was sagen. Diese Themen lassen sich zwar auch draufschaffen, wenn man will, aber dann dauert es halt etwas. Wenn Du Fragen hast stehe ich gerne zur Verfügung.

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  1. Geohash – Querfeldeinentdecker | ms71 – Schatzhausen-Rietberg-Welt

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